"Nach uns die Sintflut" ist eine bekannte Fokussierung, die von vielen Mitbürger*Innen praktiziert wird. Niemand wird diesen Fokus leugnen können, niemand wird ihn nicht auch schon in Anspruch genommen haben. Trotzdem ist er nicht überlebenstauglich und deshalb nur im kleinen Rahmen (als Ausnahme) anwendbar. Unser Hauptaugenmerk muss auf der Ökologisierung, Renaturierung, der Progression in die Kreislaufwirtschaft und der Umverteilung der Mittel liegen.

In den kommenden Jahren wird es entscheidend darauf ankommen, die vorhandenen Flächen naturnahe zu bewirtschaften. Das beginnt bereits im Kleinen an meinem Gartenzaun. Rasenmäherflächen sind zugunsten permakulturischer Bereiche zu reduzieren, Wildbewuchs ist dem "gepflegten Garten" vorzuziehen, naturnahe Bewirtschaftung ohne Pestizide ist im kleinen Garten problemlos möglich (Verbot von Giftstoffen aller Art in privaten Gärten), auch die Reduktion von versiegelten Flächen ist - wo immer möglich - anzustreben.

Jeder von uns kann gleichsam am eigenen Fensterbrett (Minikräutergarten, Wohnzimmerplantage) und durch geeignete wirtschaftliche Entscheidungen die notwendige Ökologisierung Deutschlands vorantreiben. Wenn andernorts riesige Areale gerodet werden, dann müssen wir hier entgegenhalten und die eigene Umgebung permakulturell begrünen. Eigener Anbau auf unbenutzten Flächen. Vielfalt in getriegelten Ziergärten. Humuserzeugung durch Eigenkompostierung und Ausbau der Digitalisierung und Ökonomisierung im Bezug auf Verbrauch und Reduzierung von Wohnraumenergien.

Die eigene Fortbewegungskultur ist zu hinterfragen: Weshalb nicht mit dem Fahrrad fahren oder gar gelegentlich Zufuß gehen? Im Prinzip fahen auch Busse oder es finden sich Fahrgemeinschaften, wenn der Wille vorhanden wäre. Muss das nächste Auto ein Beziner oder ein Diesel sein oder gibt es Alternativen mit Gas und Strom? Lohnt es sich über Stromspeicher die Kohlekraftwerke zu entlasten oder ist die Speicherbatterie eine ökologische Minusrechnung?

Es gibt sehr viele offene Fragen: Ist die Wasserstoffenergie oder der Aufbau von Tiefseeenergiespeichern sinnvoll und ab und bis wann werden wir sie nutzen können? Werden wir Wüstenareale zu riesigen Sonnenkraftwerken umwandeln können ohne dass Konfliktpotentiale in armen afrikanischen Ländern diesen Modus ruinieren? Wird es möglich sein autonome Wohnsiedlungen zu errichten, die von zentralen Energieerzeugern unabhängig bleiben?

Am Ende erzeugen wir alle den notwendigen Druck, um die notwendigen Veränderungen voranzubringen. Der Zeitstrahl läuft in Richtung Entropie (Vergrößerung des Chaos im geringst möglichen Energiezustand). Allein das Konzept "Leben" widersetzt sich diesem Naturgesetz. Wenn Leben eine kosmische Chance haben soll, dann müssen wir es ins Zentrum all unserer Überlegungen stellen. Nur die intelligenteste und angepassteste Spezies wird übrig bleiben. Wenn wir dumm bleiben und den nächsten (notwendigen !) evolutiven Sprung verpassen, werden wir nicht bleiben.

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